Kingdom Come: Deliverance - Eine realistische Reise ins tiefe Mittelalter

Kingdom Come: Deliverance

Kingdom Come: Deliverance besticht mit einer realistischen Darstellung des Mittelalters. Unsere Eindrücke von einem Hands-On-Event findet ihr hier.

Ich habe Hunger und habe kein Geld, um mir irgendetwas zu Essen zu kaufen. Gefühlt seit Stunden laufe ich nun durch die mittelalterliche Spielwelt. Mist, vielleicht hätte ich doch erst eine Quest abschließen und mir damit ein paar Münzen verdienen sollen, bevor ich eingehend die Gegend erkundet habe. Also schleiche ich mich in eine Bäckerei und klaue eine Breze. Besser als nichts, aber irgendwie nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich finde in meinem Inventar noch einen Schnaps. Vielleicht hilft der ja, denke ich, und kippe ihn hinunter. Meine Sicht wird trüb, mein Hunger auch nicht besser, aber die Laune steigt und ich mache mich schwankend auf den Weg, um meinen ersten Unterricht in Waffenkunde zu nehmen …

Reale historische Grundlagen

In Kingdom Come: Deliverance schreiben wir das Jahr 1403. Ich befinde mich also im tiefen Mittelalter. Mitten in Böhmen schlüpfe ich in die Rolle von Heinrich, dem Sohn eines Schmieds, der ein beschauliches Leben in einem kleinen Dorf führt. Das Land ist reich an Kultur, Silberminen florieren und imposante Burgen zeugen von mächtigen Streitkräften und Schutz für die Bevölkerung. Der Tod seines geliebten Herrschers Karl des IV, stürzte das Königreich allerdings in dunkle Zeiten: Krieg, Korruption und Zwietracht zerreißen das Land und die einfache Bevölkerung leidet unter der Unterdrückung.

Kingdom Come: Deliverance

Wenzel, einer von Karls Söhnen, wurde zu seinem Nachfolger ernannt. Allerdings liegt ihm sein eigenes Wohl mehr am Herzen als das seiner Untertanen und das Reich zerfällt mehr und mehr. Sein Halbbruder Sigismund der Rote Fuchs, König von Ungarn, sieht hier seine Chance gekommen. Er entführt Wenzel und plündert Böhmen nun auf unzähligen Raubzügen.

Auch das Dorf von Heinrich bleibt nicht verschont. Eine Horde Söldner brennt es nieder und Heinrich kann nur mit Mühe als einer der letzten Überlebenden entkommen. Mittellos bietet er seine Dienste Herrn Radzig Kobyla an, der einen Widerstand gegen die Invasoren formiert. Vom Schicksal in diesen blutigen Bürgerkrieg hineingezogen, kämpft Heinrich von nun an um die Zukunft Böhmens.

Kingdom Come: Deliverance

Die Geschichte hinter Kingdom Come: Deliverance basiert auf historischen Begebenheiten, die sich wirklich so abgespielt haben könnten. Warhorse Studios, das Entwickerteam hinter Kingdom Come: Deliverance, haben hierzu eigens Historiker engagiert, die peinlich genau darauf geachtet haben, dass alles irgendwie ins Zeitgeschehen passt. Angefangen von Wandgemälden, die die Wände in einem Kloster zieren, bis hin zu Waffen oder Kleidung, alles soll in den geschichtlichen Rahmen passen.

Wer mehr über die historischen Hintergründe erfahren möchte, der kann sich übrigens im Spiel verschiedene Dokumente mit Einzelheiten durchlesen, die während der Recherchen zusammengetragen wurden.

Aller Anfang ist schwer

Ich hatte die Gelegenheit, in einer mehrstündigen Session drei Missionen von Kingdom Come: Deliverance anzuspielen und was mir gleich zu Anfang aufgefallen ist: Man muss sich ganz auf dieses Spiel einlassen und damit rechnen, nur langsam und Schritt für Schritt voranzukommen. Hier wollen viele Dialoge geführt, Gespräche belauscht oder auch Personen von etwas überzeugt werden. Diplomatie spielt oft eine größere Rolle als reine Muskelkraft. Am Anfang stehe ich allerdings als völliger Noob da und beherrsche von alledem erst einmal nichts.

Kingdom Come: Deliverance

Zwar ist Kingdom Come: Deliverance ein klassisches RPG, aber auf eine Klasseneinteilung zu Beginn wurde verzichtet. Dafür gibt es jede Menge Fähigkeiten zu erlernen, die in der einen oder anderen Situation nützlich sein könnten. Das beschränkt sich nicht nur auf Kampfskills, das können unter anderem auch die Fähigkeiten sein, Schlösser zu knacken oder jemanden verbal von etwas zu überzeugen.

Trotzdem ist das Kampfsystem ein essentieller Teil des Spiels und ich darf gleich am Anfang erst einmal Unterricht im Schwertkampf und Bogenschießen nehmen. Ausweichen, Blocken, Angriffe von verschiedenen Seiten und fingierte Angriffe, um den Gegner aus dem Konzept zu bringen, das muss erst einmal in Fleisch und Blut übergehen.

Auch das Bogenschießen gestaltete sich schwierig, denn da gibt es kein Fadenkreuz, das das Zielen erleichtert. Das ist so gewollt, denn der Bogen ist eine mächtige Waffe, mit der schon ein bis zwei Treffer tödlich sein können. Wer den Bogen also einsetzen und beherrschen möchte, muss hier schon etwas Zeit und Mühe investieren, um den nötigen Skill aufzubauen.

Kingdom Come: Deliverance

Ich habe allerdings während ein paar Auseinandersetzungen die Erfahrung gemacht, dass es zumindest am Anfang des Spiels sinnvoll ist, Waffengefechten aus dem Weg zu gehen, bis man etwas geübter darin ist.

Kompromisse und Realität ziehen sich durchs Spiel

Die Realitätsnähe spiegelt sich auch in den Rüstungen wieder. Hier gibt es z.B. Helme, die einiges an Schaden absorbieren, aber sobald ich einen aufgesetzt habe, kann ich nur noch durch schmale Sehschlitze linsen und erkenne kaum noch etwas von der Umgebung. Alles hat sowohl Vor- als auch Nachteile und ich muss kompromissbereit sein, wenn ich vorankommen möchte.

Übrigens war mein zweiter Versuch, etwas zu Essen zu klauen, nicht ganz so erfolgreich und ich werde dafür ins Gefängnis geworfen. Zwar kann ich die Zeit mittels einer Timerfunktion schneller ablaufen lassen und bin somit ruckzuck wieder auf der Straße, aber nun beäugen mich die Wachen eine ganze Zeit lang umso genauer und ich darf mir keinen noch so kleinen Schnitzer erlauben.

Kingdom Come: Deliverance

Ein Tageszyklus sorgt dafür, dass ich in der Dunkelheit dann unbehelligter unterwegs sein kann. Viel hilft das aber nicht, denn die Läden, in denen etwas Essbares zu finden sein könnte, sind jetzt geschlossen. Jetzt könnte ich so eine Fähigkeit zum Schlösserknacken gut gebrauchen …

Jede Mission ist anders

Die zweite Mission führt mich in ein Kloster, in dem ich quasi Undercover einen Verräter finden soll. Ich bewerbe mich also als Novize und versuche meine Unwissenheit bzgl. Religion und Klosterleben irgendwie zu kaschieren. Dazu gehört z.B. auch, sich an den Klosterzeitplan zu halten, der mir ausgehändigt wird. Ich halte mich also penibel an Essens- und Gebetszeiten, um nicht negativ aufzufallen. Zwischendurch suche ich nach Hinweisen und Informationen, die mich die gesuchte Person finden lassen. Dabei lerne ich, dass ich Informationen gegen andere Informationen tauschen kann, wenn ich nur mit den richtigen Leuten rede. Dies ist eindeutig eine Mission, in der Waffengewalt definitiv nicht zum Ziel führt.

Kingdom Come: Deliverance

Warhorse Studios stellt in Kingdom Come: Deliverance über 85 unterschiedliche Missionen bereit und jede davon hat einen anderen Schwerpunkt. Mal komme ich mit purer Waffengewalt ans Ziel, mal durch listige Gesprächsführung. Jede Mission soll ca. eine Stunde Spielspaß versprechen, aber meine Erfahrung hat gezeigt, dass man hier sehr viel mehr Zeit investieren kann, denn gibt so viel zu entdecken. Auch will jede Mission richtig vorbereitet werden. Dazu gehört die Auswahl der richtigen Ausrüstung ebenso, wie das Einpacken von genügend Proviant.

Eben mal so zwischen Tür und Angel lassen sich die Missionen also nicht spielen. Bei Kingdom Come: Deliverance muss man schon etwas Zeit einplanen.

Natürlich lässt sich der Spielstand auch zwischenspeichern, aber das geht auch nicht so einfach. Dazu braucht man nämlich Speicherschnaps, den man trinken muss. Und der will erst einmal irgendwo gekauft oder geklaut werden …

Mein Fazit

Kingdom Come: Deliverance bietet ein grandioses Mittelalterszenario, das mit seiner Realitätsnähe besticht. Die Liebe zum historischen Detail zeugt davon, dass die Entwickler mit Herzblut bei der Sache waren, bzw. es immer noch sind.

Wer sich in das Spiel stürzen möchte, sollte allerdings viel Zeit mitbringen. Obwohl drei Missionen während des Anspiel-Events zur Verfügung standen, habe ich nur eine ganz und die zweite nur halb geschafft. Das macht aber nichts, zeigt es doch, wie viel es in dieser Welt nebenher zu entdecken gibt.  Auch kleinere Nebenquests, über die man stolpert, lassen einen gerne von der eigentlichen Aufgabe ablenken.

Kingdom Come: Deliverance

Kingdom Come: Deliverance legt sich nicht auf einen bestimmten Spielstil fest. Natürlich liegen die Kämpfe im Fokus, aber eben nicht ausschließlich. Wer Konfrontationen aus dem Weg gehen möchte, kann das in vielen Fällen tun. Das bringt Abwechslung ins Spiel und lockt auch diejenigen an, die nicht auf stupide Kloppereien stehen.

Ich denke Kingdom Come: Deliverance hat viel Potential und wer genug Zeit mitbringt findet hier ein episches Abenteuer, dessen Realitätsnähe wohl einzigartig ist.

Kingdom Come: Deliverance erscheint am 18.02.2018 für PC, PlayStation 4 und Xbox One.

 

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