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Warum das Ende von GameStop naht

Einige Monate zuvor kursierten allerlei News über den ehemaligen Riesen Gamestop. Allerdings sind es großenteils nicht positive News für den Retailkonzern, da dessen Marktwert seit Jahren stetig sinkt und nun einen neuen Käufer braucht, um überhaupt zu überleben. Warum dieses Ende aber nicht überraschend ist, habe ich mal für euch in meinem Artikel zusammengefasst.

Gute alte Zeit

Achja, ist sie manchmal nicht schön unsere wunderbare Spielelandschaft? Da werden Studios gekauft und wieder geschlossen, weil sie nicht rentable Spiele abgeliefert haben. CEOs verdienen manchmal Unsummen an Kohle und müssen Mitarbeiter entlassen und manche Händler schlagen dir für einen Kofferraum voll Spielen, samt Konsole, ein faires und zum Marktpreis übliches Angebot von 50 Euro vor. Mit dem Auto vielleicht sogar 55 Euro!

Es ist richtig, diese Auffassung ist etwas zynisch, aber richtig ist auch, dass wir mit diesem Beispiel das Geschäftsmodell von GameStop wiedergegeben haben. Und damit herzlich willkommen in der Welt des Retails. GameStop ist womöglich eines der Unternehmen, dass für viele Jahre eine Lücke für uns gefüllt hat. In Zeiten, wo wir ohne das Internet günstige Spiele suchten. Nur mal kurz für die jüngeren unter euch, das war eine Zeit, in der es noch Komplettlösungen zu Spielen als Roman gab und Cheatcodes wie eine sakrale Bibel aus dem Mittelalter per Hand geschrieben werden mussten.

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Zu dieser Zeit lockte uns GameStop damals mit unschlagbaren Preisangeboten, indem du zwei deiner alten Spiele dem Händler gabst und du als Gegenleistung ein nigelnagelneues Spiel für gerade mal 10 Euro erhalten hast. Der Händler legte die Spiele in sein Regal und verkaufte sie für einen etwas niedrigerem Preis als Gebrauchtspiel an Schnäppchenjäger weiter. Aber warum fokussierte sich das Unternehmen so stark auf Gebrauchtspiele? Na ganz einfach, weil der Händler somit keinen Anteil an den Spielehersteller abgeben muss. Die Profitrate bei Gebrauchtspielen liegt für GameStop bei 100% und ist somit deutlich profitabler, als Neuware zu verkaufen.

GameStop zu seiner Blütezeit

Das Ende des Erfolgs

Doch dieses Erfolgsmodell scheint so langsam, aber sicher auszulaufen. Die Gründe hierfür sind vielschichtig und eigentlich lange für GameStop bekannt. Die Digitalisierung schreitet im erschreckenden Tempo immer weiter voran und bedroht alte Erfolgsmodelle. Exemplarisch ist hierzu der PC-Spielemarkt zu beobachten, da dieser in frühen Zeiten auch bei GameStop vertreten war. Doch Valves Spiele-Launcher Steam, änderte plötzlich alles. Nun gut, zwar nicht auf einen Schlag, da Steam zu Anfangszeiten von den Fans verhasst und von der Industrie nur nett belächelt wurde. Ich meine, ladet euch mal mehrere Gigabyte an Daten runter mit höchstens einem Mbit. Allerdings ebnete Steam später den Weg zur Videospiellandschaft, wie wir sie heute kennen.

Langsam verschwand der PC Markt aus jedem GameStop

 

Verbraucher konnten mit besserem Internet durch Steam bequem von zuhause aus die Spiele runterladen, installieren und spielen. Steam-Guthaben und Keys sind nun die neue Währung im 21. Jahrhundert und nicht mehr Datenträger, wie DVDs. Diese Entwicklung sorgte auch vor allem für einen vollkommen neuen Preisnachlass. Wer kennt sie denn nicht die sagenumwobenen Steamsales, bei denen man AAA-Spiele für wenige Euros ergattern kann. Diese Entwicklung kann man als positiv bezeichnen, da sich viel mehr Menschen die teuren Spiele leisten können, jedoch führte der Preisnachlass auch zum Phänomen nie gespielter Spiele in der Steam-Bibliothek, doch das ist ein anderes Thema.

Das Verschwinden des PC Marktes

Nach und nach verschwanden die PC Spiele aus den Regalen der Spielehändler und so auch bei GameStop. Und GameStop hätte auch darauf achten müssen, wie sich der Markt in den nächsten 10 Jahren ändern würde. Stattdessen stützte man sich einfach weiter auf den Gebrauchtspielemarkt der Konsolen, der somit auch der wichtigste Umsatzmarkt in den letzten 10 Jahren für GameStop wurde. Schon die Konsolengeneration der PS3 und Xbox 360 bot die Möglichkeit an, Spiele aus dem jeweiligen PlayStation- oder Microsoft-Store herunterzuladen. Zugegeben, damals war es etwas sperrig und die Downloadrate der PS3 und Xbox waren zum Verzweifeln. Aber ein wichtigen Punkt ist hierbei, dass zwar weiterhin ein Konkurrenzmarkt stärker, aber nie in diesem Ausmaß gefährlich für GameStop wurde, da es weiterhin Gebrauchtspiele gab, die im Umlauf waren.

So sehen PC Spiele heutzutage in einem GameStop aus

Doch zum Reveal der neuen Xbox One aus dem Jahr 2013 wurde es so langsam gefährlich für den Spielehändler. Die neue Xbox war nämlich anfangs noch eine völlig andere, als sie dann fertig auf dem Markt kam. Ursprünglich war es noch Pflicht Kinect 2.0 an der Konsole anzuschließen, da diese sonst nicht funktionieren würde. Allerdings musste dabei Kinect immer angeschaltet bleiben. Und dies auch noch in einer Zeiten, wo der NSA-Skandal publik wurde, war dies nicht gerade ein attraktives Angebot gegenüber Sony.

Was Fans jedoch am meisten an der „Stasibox“ aufregte, waren der DRM-Lock und die Gebrauchtspielsperre. Jedoch war die Gebrauchtspielsperre im damaligen Sinne lediglich der Erwerb des Spiels bzw. einer Spielelizenz, in Form einer Disc, welche dann installiert wurde und dann nur auf der jeweiligen Konsole gespielt werden konnte. Eine Idee, die für Käufe in den Online Stores der Konsolen selbstverständlich ist, war damals ein riesiges Thema. Der damalige Chef von GameStop äußerte sich damals noch positiv: „Trade-In- und Wiederverkaufsprogramme haben einen klaren „Vorteil und Wert“ für die Spieler insgesamt und fügen den Produkten einen „Restwert“ hinzu.“.

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Das Problem jetzt

Dabei muss man sagen, dass eben diese Konsolengeneration, auch wenn sie günstig für GameStop war, womöglich auch die letzte für diesen Händler gewesen ist. Während GameStop im Jahr 2007 noch einen Börsenwert von rund 9,4 Milliarden aufweisen konnte, so fiel dieser Wert im Jahre 2018 auf 1,42 Milliarden Euro, weswegen im Jahr 2017 schon an die 150 Filialen dicht gemacht wurden. Und damit wären wir beim eigentlichen Hauptproblem, nämlich dass dieser Restwert, von dem Tony Bartel sprach, einfach nicht mehr existiert!

Microsoft und Sony haben verstanden, wie sie die Menschen selbst erreichen können, so sind bei öfteren Sale Aktionen im PlayStation Store richtige Preiskracher zu finden, wie die Borderlands Handsome Collection für nur 10 Euro. Genauso gut kann man jeden Monat seine monatlichen Gratisspiele, wie PS Plus oder Xbox Live Gold abwarten und hinzu kommt bei Xbox noch der Gamepass, mit dem du quasi, wie bei deinem Netflix Abo, alle Spiele spielen kannst, die beim Gamepass erhältlich sind. Dann kommt jetzt auch noch die Gerüchte auf, dass die zukünftige Konsolengeneration nun komplett ohne Laufwerk etc. auskommen, was dann auch somit der Sargnagel für GameStop wäre. Womöglich versucht man nun deswegen ganz schnell einen neuen Käufer zu finden.

GameStop braucht eine vollkommen neue Strategie und ein neues Profil

GameStop, so muss man es sagen, hat es verpasst, mit der Zeit zu gehen, weshalb sie nun plötzlich im Regen stehen, da ihr ehemaliges Erfolgskonzept nicht mehr rentabel genug ist. Doch anstatt einen Reformkurs einzuleiten oder innovative Ideen zu suchen, ist der Konzern geprägt von schlechten Medien, wie den „Circle of Life“-Skandal. Bei diesem standen die Mitarbeit unter einem ständigen Konkurrenzdruck, wodurch am Ende sogar Mitarbeiter gezwungen waren die Kunden anzulügen, um mehr Gebrauchtspiele zu verkaufen.

Fazit

Es bleibt abzuwarten, wie es mit GameStop überhaupt weitergeht, denn so wie der Kurs derzeit abläuft, kann dies nicht auf Dauer gut gehen. Allein Anfang diesen Jahres sind die Versuche einen Käufer zu finden geplatzt, da die interessierten Käufer keine akzeptable wirtschaftliche Grundlage bei GameStop gefunden haben. Die Aktie des Retailverkäufers ist daraufhin ins Bodenlose gesunken, in etwa auf einem Wert, wie seit 2005 nicht mehr. Wenn also nun im Fall GameStop gerade kein Wunder geschieht, dann wird wohl der einst größte Spielehändler mit Gebrauchtware nur noch ein Relikt der Vergangenheit sein.

1 Kommentar zu “Warum das Ende von GameStop naht”

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