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Frostpunk - Von Eis, Tod und unmoralischen Entscheidungen – Unser Review

Frostpunk

Knappe Ressourcen, tödliche Kälte, kaum Nahrung und nur eine Handvoll Leute machen es schwer, das Überleben zu sichern. Frostpunk stellt uns vor schier unlösbare Aufgaben.

Liebes Tagebuch, dies ist Tag 10 meines Daseins als Bürgermeister in Frostpunk. Wieder hatten wir einige Todesfälle zu beklagen. Obwohl ich versucht habe, mehr Jäger auszuschicken, um Nahrung zu organisieren, hat die Verpflegung nicht für alle gereicht. Wenigstens läuft der Generator und die Wohnzelte sind so einigermaßen beheizt. Das kann man vom Sanitätszelt allerdings nicht behaupten. Außerdem müsste ich unbedingt noch eine Straße bauen, um eine Sendestation errichten zu können. Hier fehlen mir durch die vielen Ausfälle aber die Arbeiter. Die verbliebenen arbeiten bereits in 24-Stunden-Schichten, um Kohle für den Generator heranzuschaffen. Der Unmut in der Bevölkerung steigt und ich musste wieder ein paar unbequeme Entscheidungen treffen …
Langsam bereue ich es, diesen Job angenommen zu haben.

Frostpunk

11 Bit Studios, die sich bereits mit This War of Mine einen Namen gemacht haben, zeichnen mit Frostpunk ein ziemlich düsteres Zukunftsszenario. Wir befinden uns im London des 19. Jahrhunderts. Irgendeine Katastrophe hat die Welt heimgesucht und es herrscht eisiger und immerwährender Winter. Eine weiße und lebensfeindliche Einöde, wohin man blickt.

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Trotzdem gibt es immer noch ein paar Überlebende, die dieser Naturkatastrophe trotzen. In einer kleinen Senke, die etwas vor den Schneestürmen geschützt ist, versuchen ca. 80 Menschen, sich eine neue Existenz aufzubauen. Und ich darf als Bürgermeister das Geschehen managen.

Generell bin ich nicht so geschickt darin, Simulationen am Leben zu erhalten. Ich verliere meist schnell den Überblick, was dann in einer Katastrophe endet. Und das sollte bei meinen ersten Gehversuchen in Frostpunk auch nicht anders aussehen.

Prio 1: Es muss geheizt werden

Meine erste Aufgabe besteht darin, Kohle zu organisieren, um einen wärmespendenden Generator ans Laufen zu bringen. Also schicke ich ein paar Leute los, um diesen Rohstoff von einem nahegelegenen Kohlehaufen zu holen. Holz brauche ich aber auch, um Unterkünfte für mein frierendes Völkchen zu bauen. Schnell wird deshalb ein zweiter Trupp entsandt.

Schon bald habe ich alle Arbeiter eingeteilt und habe trotzdem das Gefühl, etwas Wichtiges übersehen zu haben. Allen Anstrengungen zum Trotz will sich das Kohlelager nicht schnell genug füllen. Als Bürgermeister kann ich Gesetze erlassen, die 24-Stunden-Schichten oder sogar Kinderarbeit ermöglichen. Allerdings schüre ich damit natürlich den Unmut meiner Bevölkerung. Natürlich muss ich manchmal unbequeme Entscheidungen treffen, um das Überleben zu sichern. Wenn ich es allerdings übertreibe, gibt es irgendwann einen Aufstand und ich werde kurzerhand vor die Tür gesetzt. Da ist Fingerspitzengefühl und gutes Management gefragt. Zu schnell enden meine Entscheidungen sonst in einem Teufelskreis, der mein kleines Dorf ins Verderben reißt.

Frostpunk

Frostpunk verzeiht hier keine Fehler. Jede meiner Entscheidungen hat Konsequenzen und zwingt mich, gut über jeden Schritt nachzudenken. Zwar gibt das Spiel Hilfestellungen, was als nächstes zu tun ist, schreibt mir aber nicht vor, wie ich dieses Ziel erreiche. Die meisten Entscheidungen müssen auch nicht sofort getroffen werden und sind meist nur Vorschläge. Trotzdem sind sie ernst zu nehmen, denn wenn ich diese Vorschläge zu lange nicht beachte, kann das verheerende Auswirkungen haben. Und meine Versprechen muss ich auch einhalten, denn sonst wächst ganz schnell der Unmut.

Erfolge durch Forschung

In Frostpunkt kommt es aber nicht nur auf das nackte Überleben an. Ich kann eine Forschungsstation bauen, mit deren Hilfe ich Projekte starte. Natürlich müssen hier auch wieder Menschen arbeiten, die dann vielleicht bei der Rohstoffsammlung fehlen. Das zahlt sich aber aus, denn durch die Forschungsprojekte bekomme ich die Möglichkeit, neue Arten von Gebäuden zu errichten, wie z.B. eine Sendestation, mit der ich Überlebende auf unsere kleine Kolonie aufmerksam machen kann. Oder ich lasse Leuchtfeuer setzen, mit denen auch im umliegenden Land Ressourcen oder Überlebende geborgen werden können.

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Frostpunk

Für die Errichtung dieser Gebäude benötige ich aber auch wieder Rohstoffe oder vielleicht sogar Straßen. Es gibt vieles zu bedenken, denn was nützen die schönsten Anlagen, wenn ich keine Leute habe, die sie betreiben.

Ein übersichtlicher „Forschungsbaum“ zeigt mir, an welchen Projekten meine Ingenieure als nächstes arbeiten könnten und wieder muss ich abwägen.

Viele Entscheidungen, wenig Zeit

Obwohl mich Frostpunk nicht unbedingt zu Entscheidungen drängt, kann ich mir dennoch nicht beliebig lange Zeit lassen. Die todbringende Kälte und der Hunger meiner Bevölkerung stellen eine ständige Bedrohung dar. Zum Glück baue ich zu den einzelnen Bewohnern keine Bindung auf. Zwar haben alle einen Namen und ich kann mir ansehen, womit sie gerade beschäftigt sind, aber letztendlich ist mein Völkchen ein recht anonymer Haufen. Ich sehe zu, wie sie zur Arbeit gehen, wie sie sich in ihre Zelte zurückziehen oder wieder einmal einen Toten bestatten. Irgendwie wecken sie trotzdem einen Beschützerinstinkt in mir.

Frostpunk

Umso tragischer ist es, mit ansehen zu müssen, wenn die Kolonie langsam zu Grunde geht, ohne dass ich rettende Maßnahmen ergreifen kann. Wie gesagt, ich bin kein Spezialist bei Aufbau-Strategiespielen, weshalb ich anfangs bereits nach kurzer Zeit gescheitert bin. Die Möglichkeiten, was in Frostpunk schief gehen kann, falls man bestimmte Dinge nicht berücksichtigt, ist schier unüberschaubar.

Steampunk im Miniformat

Grafisch trumpft Frostpunkt mit einem wunderbar gestalteten Steampunk-Ambiente auf. Die Umgebung könnte nicht besser gewählt sein. Kalte und eisige Farben untermalen die durch die Kälte drohende Gefahr und hell erleuchtete Zelte signalisieren Schutz und Wärme. Zudem sind durch Licht und Schatten die Tagesabläufe gut zu erkennen und auch die eine oder andere Schneeflocke treibt über den Monitor.

Auch der Soundtrack ist gut gewählt und unterstreicht die angespannte Atmosphäre. Dabei bleibt er aber angenehm im Hintergrund und sorgt für ein harmonisches Gesamtbild.

Mein Fazit

Frostpunkt verzeiht nichts. Aber gerade das hat mich an diesem Spiel fasziniert. Normalerweise gebe ich bei Aufbau-Simulationen gerne nach ein paar Versuchen auf. Hier wollte ich es dem Spiel aber zeigen. Im letzten Versuch konnte ich meine Bevölkerung gut 10 Tage über Wasser halten, bevor der große Absturz kam. Beim nächsten Mal schaffe ich es sicher länger.

Ich denke, erfahrene Spieler dieses Genres finden sich hier schneller zurecht, aber die Menge der zu treffenden Entscheidungen halten den Druck konstant hoch. Zudem bringt das Erlassen von unbequemen Gesetzen zusätzliche Spannung ins Spiel.

Das Game zwingt mich auch manchmal dazu, unangenehme Dinge durchzusetzen, um voran zu kommen. Hier bleibt zunächst ein ungutes Gefühl zurück, das der Erleichterung weicht, wenn ich dann doch einen Erfolg sehen kann … oder eben der Verzweiflung, wenn ich erkenne, dass es jetzt noch rasanter bergab geht.

Frostpunk ist nicht nur eine Simulation. Es spielt mit den Gefühlen des Spielers und mehr als einmal fühlt man sich nach Entscheidungen schlecht. Aber gerade das macht den Reiz von Frostpunk aus und ich spreche deshalb meine eindeutige Empfehlung für dieses Spiel aus, auch wenn ich kein Meister dieses Genres bin und sicher auch nicht werde.

Frostpunk ist seit 24.04.2018 für den PC erhältlich.

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